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ADS - Hyperaktivität

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Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Hyperaktivität. Was ist das ?

Die Entwicklung des Gewissens bei Kindern mit ADHS

Wie kann man Kindern mit ADS/H richtig unterstützen?

Unterschiedliche Sichtweisen auf ADS/ Hyperaktivität in der Erziehungsberatung

Was denken Ärzte, Lehrer und Eltern über ADHS ?

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Die Not der kleinen Nervensägen Stern 1/02

Es gibt Grund zur Sorgfalt, aber keinen Grund zur Sorge
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Gemeinsames Positionspapier  der Landesärztekammer BW und des BV-AH zu ADHS

AD/HD und Persönlichkeit

Was ist eine multimodale Therapie?


Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom
und Hyperaktivität
Was ist das ?

Einen Überblick über die Thematik bietet der Bericht über ein Wochenende mit Cordula Neuhaus
von Christoph Dietz

Dieses Wochenende war schon lange in meinem Kalender markiert: Angekündigt war Frau Cordula Neuhaus, Diplom-Psychologin, Diplom-Heilpädagogin, Kinderpsychologin und seit langen Jahren erfolgreich in der Arbeit mit hyperaktiven Kindern, um mit Eltern und Lehrern über diese Kinder zu sprechen.

Das hervorragende Buch Das hyperaktive Kind und seine Probleme, das von Frau Neuhaus im Ravensburger Verlag erschienen ist, hatte ich schon vor längerer Zeit gelesen und war tief beeindruckt von der exakten Beschreibung des Krankheitsbildes und den überzeugenden Therapievorschlägen. Als Vater von hyperaktiven Kindern war ich beim Lesen oft versucht, jede Seite mit einem Haken zu versehen, so hoch war der Wiedererkennungswert. Um so gespannter war ich nun, Frau Neuhaus persönlich kennenzulernen.

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Auf so anschauliche und lebendige Weise verstand es Frau Neuhaus zu berichten, daß ihre Zuhörer in jeder Sekunde mit voller Aufmerksamkeit bei der Sache waren. Die Veranstaltung hat mich inspiriert, einige Zeilen für diejenigen zu Papier zu bringen, die nicht teilnehmen konnten.

Von Heinrich Hoffmanns Zappelphilipp zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Aufmerksamkeit - das ist das vorrangige Problem dieser Kinder. Oft werden in diesem Zusammenhang Figuren aus dem ‘Struwwelpeter’ von Dr. Heinrich Hoffmann genannt. Literarisches Vorbild für ein aufmerksamkeitsgestörtes Kind wäre danach etwa der stets verträumte und der Realität entrückte Hans-Guck-in-die-Luft.

Die umgangssprachlich oft namensgebende Hyperaktivität, die gesteigerte motorische Unruhe gehört nicht in jedem Falle zum Krankheitsbild. Doch gibt es sie natürlich auch und sie fallen schneller ins Auge: Jene Kinder, bei denen zum Aufmerkamkeitsproblem noch die Hyperaktivität hinzukommt, anschaulich etwa verkörpert durch Heinrich Hoffmanns Zappel-Philipp oder gar den wilden Friederich, der bekanntlich ein arger Wüterich war, womit die für das Krankheitsbild ebenfalls kennzeichnende Impulsivität und im Falle des Friederich darüberhinaus eine Störung des Sozialverhaltens angesprochen ist, die häufig als Folgeproblematik einer hyperaktiven Störung auftritt, speziell wenn sie lange unerkannt geblieben ist. Auch Paulinchen, die unbedacht impulsiv und trotz Verbots, ohne die Folgen ihres Handelns zu bedenken mit dem Feuer spielt, gehört in diese Kategorie.

Bemerkenswert ist, daß Hoffmann schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit scharfem Blick die Symptome beschrieb, ohne allerdings damals um die Krankheit zu wissen, von der hier die Rede sein soll. Einiges spricht aus heutiger Sicht dafür, daß der berühmte Frankfurter Nervenarzt selbst an einer Aufmerksamkeitsstörung litt und möglicherweise deshalb so ein sensibles Auge für sie hatte.

Die aktuell im deutschen Sprachraum verwendete Bezeichnung für das Krankheitsbild lautet ADHS, was Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung heißt und aus dem amerikanischen Attention Deficit / Hyperactivity Disorder (ADHD) übersetzt wurde. Die Bezeichnung soll deutlich machen, daß es sich primär um eine Aufmerksamkeitsstörung handelt und die Hyperaktivität je nach Ausprägung hinzukommen kann oder nicht.

Frühere Bezeichnungen wie ADS, ADD, HKS, MCD, POS etc. werden dadurch abgelöst (sh. dazu den Artikel von Frau Dr. Johanna Krause in Was nun Ausgabe 1999)*.   
*Zeitschrift des Bundesverbands Aufmerksamkeitsstörung/Hyperaktivität, Forchheim

ADHS - ein in seiner Häufigkeit unterschätztes Problem

In Deutschland ist die Zahl der diagnostizierten Kinder mit deutlich unter 5 % geringer als z.B. in den USA (über 10 %) oder Israel, wo fast 20 % erreicht werden. Ursache dafür ist die wenig verbreitete Kenntnis des Krankheitsbildes, z.B. bei Kinderärzten, Lehrern aber auch Psychologen, die - Sigmund Freud folgend - häufig auch bei ADHS-lern analytische Ansätze verfolgen und damit fast immer den Holzweg beschreiten.

Lange Leidenswege von Kindern und ihren Familien sind die Folge dessen. Anwesende Eltern wußten von abenteuerlichsten Hypothesen zu berichten, die sie von Beratern in Erziehungs- und Familienberatungsstätten zu hören bekommen hatten, bevor schließlich die zutreffende Diagnose ADHS gestellt wurde.

Besonders Kinder mit ADHS ohne Hyperaktivität werden selten diagnostiziert, weil sie weniger störend auffallen, als Kinder, die auch das Merkmal  der Hyperaktivität aufweisen. Sie bleiben häufig ausgeschlossen, werden Schulversager, entwickeln ein schlechtes Selbstvertrauen und neigen zu Depressionen. Mädchen sind von dieser Ausprägung häufiger betroffen als Jungen, während es insgesamt mehr Jungen mit Hyperaktivität gibt als Mädchen.

Woran erkennt man ADHS ?

Der Kasten ”Symptomatik der ADHS” (s.u.) verdeutlicht die typischen Eigenschaften. Die Entwicklungsgeschichte in verschiedenen Altersstufen sieht bei ADHS-lern ungefähr so aus:

Es beginnt oft schon im Baby- und Kleinkindalter. Unruhig sind sie manchmal bereits im Mutterleib, danach Schreikinder, Speikinder. Hohe Experimentier- und Erkundungsfreude bei geringem Gefahrenbewußtsein führen häufig zu Unfällen, die gottlob meist glimpflich ausgehen.

Im Kindergarten- und Vorschulalter wird erkennbar, daß sie schwer in Gruppen integrierbar sind, eine geringe Frustrationstoleranz macht z.B. Mensch- Ärgere-Dich-Nicht-Spielen oft unmöglich. Sie stehen gern im Mittelpunkt,  sind immer auf Achse und können nur schwer bei einer Sache bleiben: Jetzt Lego spielen, in der nächsten Minute Holzeisenbahn, danach zum Zeichenblock und dann wird die Bauklötzchen-Kiste ausgekippt .... . Entsprechend sieht das Kinderzimmer aus! Aufräumen können sie aber trotz gutem Willen nicht: Kaum haben Sie begonnen, kommt irgend etwas in ihre Hände, das sie ablenkt und das Zimmer sieht auch nach Stunden nicht besser aus.

Im Schulalter geraten sie oft in eine Außenseiterposition, sind Störenfried oder Klassenkaspar. Die Disziplin, die im Klassenzimmer nun von Ihnen verlangt wird, stellt für sie eine unlösbare Aufgabe dar. Gedanken, die ihnen durch den Kopf schießen, müssen sie sofort in die Klasse rufen und können nicht warten, bis der Lehrer sie drannimmt, nachdem sie sich gemeldet haben. Ihr übersteigerter Gerechtigkeitssinn und ihre unberechenbare Impulsivität ist oft genug Anlaß oder Verstärker bei verbalen und manchmal auch handgreiflichen Auseinandersetzungen.

Sie können sich auch mit größter Anstrengung nur wenige Minuten auf den Unterrichtsstoff konzentrieren. Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes verfallen sie danach in Tagträume, gucken Löcher in die Luft, kritzeln in ihrem Heft herum oder werden zappelig, kippeln mit ihrem Stuhl, laufen im Klassenzimmer herum oder necken Mitschüler.

Ihr ‘hüpfender’, oberflächlich abtastender Wahrnehmungsstil macht es ihnen schwer, Unterrichtsinhalte systematisch zu erfassen und sich zielorientiert auf eine Aufgabe zu konzentrieren.

Hausaufgaben sind ein Drama für diese Kinder. Es beginnt mit dem Schreiben, das ihnen schwer fällt. Verkrampft liegt der Füller in der Hand und wird mit hohem Druck über das Papier geführt. ”Hoffentlich mault Mutter nicht und ich muß alles noch mal schreiben, weil es nicht schön genug ist”, geht es ihm durch den Kopf. Stundenlang dauert das Ganze, denn es ist nicht möglich, konzentriert bei der Sache zu bleiben.

Trotz häufig überdurchschnittlicher Intelligenz, haben diese Kinder Probleme in der Schule. Nicht selten treten in Verbindung mit ADHS Teilleistungsschwächen auf wie Lese-Rechtschreib-Schwäche, Dyskalkulie, visuelle / auditive oder taktile Wahrnehmungsstörungen, welche die Kinder zusätzlich belasten.

Im Jugendalter läßt die motorische Unruhe meist nach. Stärker noch als andere Jugendliche sind sie ausgesprochen stimmungslabil: Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt wechseln sie innerhalb kürzester Zeit. Häufig sind sie depressiv verstimmt, ohne daß es dafür erkennbare Gründe gibt. Ihre Ausdauer ist gering. Sie sind leicht beeinflußbar und stets auf der Suche nach Extremen. Sie müssen alles ausprobieren und neigen zu risikoreichem Verhalten. Oft werden sie viel zu früh Eltern. Suchtgefahren können sie schlecht widerstehen, wenngleich sie nicht zu harten Drogen neigen. Viele ‘ Hypies’, wie sie oft genannt werden, sind bei ungünstigem Verlauf aber in Gefahr alkoholabhängig zu werden.

Selbst im Erwachsenenalter sind manche Menschen noch immer erkennbar betroffen. Eine gestörte Selbstorganisation, impulsiver Handlungsstil, Selbstwertprobleme, nicht zuhören können, hohes Aktionsniveau, ”sensation seeking” (die Suche nach dem ”Kick”) und in ungünstigeren Fällen Suchtprobleme (vor allem Alkohol) und Kleinkriminalität können Ausprägungen im Erwachsenenalter sein. Frau Neuhaus wußte von Patienten zu berichten, die selbst jenseits der Fünfzig in bestimmten Situationen noch medikamentös behandelt werden müssen, z.B. im Arbeitsleben bei der Umstellung auf Computerverarbeitung oder um jeden Montag die langatmige Vorstandssitzung schadlos zu überstehen.

Symptomatik der
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Symptome

Ausprägungen

Aufmerksam-
keitsschwäche

  • Schwierigkeiten, etwas überhaupt zu beginnen
  • Mangelnde Daueraufmerksamkeitsspanne:
        Wegdriften, abgelenkt sein, nochmals lesen
        müssen, um zu verstehen
  • Wachheit kann bei ”uninteressanten”
        Vorgängen nicht erhalten werden,
        Tagträumerei,
        unvollständiges Arbeiten
  • Mangelnde Fähigkeit mit
        Stimmungsschwankungen
        beim Arbeiten umzugehen: kritikempfindlich,
        chronisch entmutigt, genervt
  • Mangelnde Kapazität des
        Arbeitsgedächtnisses:
        ”Was wollte ich gerade tun
    / habe ich gerade
         noch gedacht?
         - Ich weiß es, kann es aber nicht abrufen”
  • Ablenkbarkeit
  • Häufiges Auftreten von Lese-Rechtschreib-
        Schwäche oder anderen
         Teilleistungsschwächen
  • Impulsivität

  • Mangelnde Verhaltenskontrolle
  • Handelt und redet rasch, ohne nachzudenken
  • Niedrige Frustrationstoleranz
  • Kann nicht abwarten, wechselt rasch die
        Beschäftigung, kein planvolles Handeln (Folge:
        Lernstörungen trotz adäquater Intelligenz)
  • Hyperaktivität

    (verschwindet i.d.R. in der Pubertät)

  • ”Zappel-Philipp-Syndrom” (unruhig, zappelig,
        umtriebig)
  • Gesteigerter Bewegungsdrang
  • Grobmotorik und Sprache (viel und laut)
  • Enormer Kraftaufwand
  • Lokomotion: Kann nicht sitzenbleiben
  • Kann nicht im 90°-Winkel sitzen
  • Wichtige Kriterien für
    die Diagnose

  • Deutliche seelische Unreife i.S. einer seelischen
        Entwicklungsverzögerung bei körperlich und
        intellektuell altersgemäßer Entwicklung
  • Deutlich schlechter werdende Schrift bei 
        schnellem Schreiben
  • Auffallendes ”psychisches Ermüden” bei 
        subjektiv schwierig eingeschätzten Aufgaben
  • Extremer Gerechtigkeitssinn
  • Auffallende spontane Hilfsbereitschaft bei 
        Erkennen der Hilfsbedürftigkeit eines anderen
  • Heftige Reaktionen bei plötzlichen
        Veränderungen und hektischen Situationen
  • Hypersensibilität
  • Unfähigkeit zur reellen Selbst- und
         Eigenleistungseinschätzung. Kann nicht
         berichten
  • Erhebliche Beeinflußbarkeit
  • Diagnose

    Eltern, die vermuten, ihr Kind könnte ADHS haben, sollten sich an einen auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt, Psychologen oder sozialpädiatrisches Zentrum wenden. Elternitiativen und Selbsthilfegruppen können hier Rat geben, z.B. der BV-AH (ehemals BVdE ) mit seinen Regionalgruppen.

    Es ist ganz wichtig, jemanden zu finden, der sich mit der Thematik auskennt, weil leider festzustellen ist, daß es immer wieder Fälle gibt, in denen eine vorhandene ADHS aufgrund falscher diagnostischer Ansätze nicht erkannt wird. Häufig wird z.B. die 1:1 - Situation zwischen Arzt und Kind falsch interpretiert. In solchen direkten Zuordnungen können die Kinder durchaus konzentriert erscheinen, zumal wenn sie das Gespräch mit dem Arzt interessant finden. Eltern sollten sich hier auf ihre eigenen Beobachtungen verlassen und diese schildern. Berichte aus Kindergarten und Schule geben weitere Anhaltspunkte.

    Zur Erhebung der Diagnose wird die Schilderung der Vorgeschichte und des Verhaltens durch die Eltern und ggf. eine Stellungnahme der Schule ergänzt um umfangreiche testpsychologische Untersuchungen, bei denen es nicht nur auf die Testergebnisse im engeren Sinne, sondern auch auf die Beobachtung des Verhaltens während der Testung ankommt.

                                                                                Fortsetzung......

    Dieser Artikel ist erschienen im Jahrbuch 1999 des Bundesverbands Aufmerksamkeitsstörung/Hyperaktivität, Forchheim.

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