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Marvin
* 1995
 

Marvin* ist unser zweiter Sohn. Die Schwangerschaft war sehr beschwerlich. Ich hatte überall große Wasseransammlungen im Körper und konnte mich zuletzt kaum noch bewegen.

Die Geburt ging recht überstürzt los. Es dauerte nur 4 Stunden und schon war unser Kleiner da. Ich fühlte mich danach schnell wieder fit, aber durch den großen Blutverlust war ich doch sehr geschwächt.

Unser kleiner Marvin war im Krankenhaus relativ ruhig, außer dass er ständig die Brust haben wollte, er schrie jede Stunde und hatte ständig Hunger.

Zu Hause wartete schon ganz ungeduldig der große Bruder
( 4 1/4 Jahre ). Es war Stress pur. Einerseits den kleinen Marvin versorgen ( immer noch jede Stunde Hunger ) und anderseits dem Erstgeborenen gerecht werden.

Ich war fix und fertig. Durch den Stress blieb die Milch weg und ich musste auf Flaschennahrung umstellen. Von da an wurde es besser. Marvin fand seinen Rhythmus.

Marvin war immer ein sehr lebhaftes Baby und schon sehr früh auf Entdeckungsreise. Alles war interessant für ihn. Er lernte relativ spät das Laufen ( 16 Monate ) und noch später das Sprechen.

Da ich meinen Sohn immer verstand, wenn er sprach, fiel mir das allerdings nicht gleich auf. Ich hatte zwar den Vergleich mit seinem Bruder, aber wie das so ist, denkt man das kommt noch, er braucht eben ein bisschen länger mit dem Sprechen lernen. Da ich natürlich alle Vorsorgetermine wahrgenommen habe, ging ich davon aus, dass alles in Ordnung sei.

Mit drei Jahren kam Marvin in den Kindergarten. Dort gab es von Anfang an Probleme. Er wurde nicht von den anderen Kindern angenommen und akzeptiert. Da Marvin sich nur schwer artikulieren konnte, war es für Ihn natürlich besonders schwer.

Aber er hatte zwei aufmerksame Erzieherinnen, die uns auf sein Verhalten ansprachen und meinten, wir sollten Marvin untersuchen lassen. Ich ging zum HNO-Arzt, der feststellte, dass Marvin hinter dem Trommelfell Wasseransammlungen hatte. Dadurch war auch der Gleichgewichtssinn gestört und deshalb hatte er grobmotorische Störungen. Nach der OP ging es dann aber relativ schnell bergauf mit Ihm. Marvin lernte schnell sprechen und mit Hilfe des Logopäden machte er schnell Fortschritte.

Allerdings war unser Kleiner immer schon früh auf Achse. Wir hatten das Gefühl, dass er jetzt alles nachholte, was er als Baby versäumt hatte. Am allerschlimmsten war, dass er immer alleine auf Entdeckungsreise ging. Wir konnten ihn schon nicht mehr aus den Augen lassen als er gerade laufen konnte, aber jetzt nutzte er jede Gelegenheit um auszubüchsen.

Ständig war er weg.... z.B. spielte er in seinem Kinderzimmer  dachte ich jedenfalls. Ich war gerade am Fensterputzen und plötzlich sah ich meinen Sohn um die Ecke flitzen. Er nutzte die Gelegenheit und ging alleine zum Kiosk. Oder er verschwand vom Fußballtraining des älteren Bruders und wir mussten ihn alle suchen. Marvin lief ca. 3 km und wurde Gott sei Dank von einem Mann entdeckt, der die Polizei rief sodass wir unseren Sohn wieder unversehrt in die Arme schließen konnten. Er kletterte auch einmal morgens aus dem Fenster im Schlafanzug und stand mitten auf einer großen Kreuzung. Es war zum Glück Sonntag und wenig Verkehr. Von da an wohnten wir wie im Gefängnis. Alles war verschlossen, so hatte Marvin keine Chance mehr auszureißen.

Aber er schaffte es auch aus den Kindergarten auszubüchsen, mit der Konsequenz, dass eine andere Tür eingebaut werden musste. Ja, das war schon eine schlimme Zeit, immer mit der Angst leben zu müssen, dass etwas passiert. Die Kindergartenzeit war für alle anstrengend, auch für die Erzieher.

Wir sind zum Glück immer auf viel Verständnis und Hilfe gestoßen.

Fremde Leute dachten zwar immer, was ist denn das für ein Kind, hat er keine Erziehung genossen ??? Aber darauf habe ich nicht reagiert, denn ich wusste im Inneren, dass mit Marvin etwas nicht so ganz stimmte.

Sein Logopäde meinte, dass er ein ganz Schlauer ist, und dass er so ein Kind wie Marvin noch nicht in Behandlung gehabt habe. Wir ließen einen IQ Test machen. Marvin machte aber nicht so mit und konnte sich nicht lange konzentrieren. Der Test wurde abgebrochen und uns wurde nahe gelegt den Test in 2-3 Jahren zu wiederholen, weil man den Test so nicht werten kann. Heraus kam ein Ergebnis von 116 Punkten, aber wie schon erwähnt, man kann den Test so nicht richtig werten, sagt der Logopäde.

Dann wurde Marvin eingeschult.

Zum Glück bekam Marvin zwei sehr verständnisvolle Lehrerinnen. Aber es dauerte keine zwei Tage und wir bekamen den ersten Anruf. Marvin sei auffällig und störe den Unterricht, kaspere herum und kann sich nicht lang genug konzentrieren. Die Lehrerin vermutete nach einem viertel Jahr, dass Marvin vielleicht ADS habe. Bis dato hatten wir überhaupt noch nichts von ADS gehört.

Wir ließen Marvin bei einem Spezialisten testen und das Ergebnis war eindeutig. Wir entschlossen uns Marvin erst mal nicht mit Medikamenten zu behandeln. Aber es ging dann ziemlich schnell ganz nichts mehr. Also wieder zum Arzt. Diesmal entschieden wir uns für das Medikament. So nun ging es los. Wir gaben das Medikament nur mit Bauchschmerzen, merkten aber bald, dass Marvin sich zum Positiven veränderte. Und auch in der Schule lief es jetzt besser. Aber bis die richtige Einstellung gefunden wurde, dauerte es noch so ca. 1 Jahr.

Es gab immer wieder so viele Rückschläge und neue negative Feedbacks für Marvin und für uns, dass man wirklich bis an seine Grenzen geht und man denkt, das schafft man alles nicht mehr. Ich glaube wir haben alles durch von Klauen, Weglaufen bis hin zu Selbstmorddrohungen.

Im Moment haben wir ein “Rundumpaket” für Marvin. Er bekommt Ergo, was ihn sehr gut gefällt und uns auch sehr geholfen hat. Es wurde speziell auf Marvin eine Therapie zugeschnitzt und wir bekamen Elterntraining. Er hat einmal die Woche eine Stunde bei einer Psychologin eine Therapie, wo dann auch immer wieder auf aktuelle Probleme eingegangen wird. Auch das ist für uns alle eine große Hilfe. Und er hat zwei supertolle Lehrerinnen, die sehr gut auf unseren Sohn eingehen und ihn in der Schule sehr viel unterstützen.

Es gibt zwar immer wieder diverse Rückschläge, aber auch das kriegen wir alle zusammen hin. Wir wünschen uns nur mehr Verständnis von der Umwelt.

Ich weiß, dass unsere große Liebe zu unserem Kind uns die Kraft für alles weitere geben wird. Wir lieben unseren kleinen chaotischen, liebevollen, charmanten Chaoten nun mal so wie er ist. Wir haben noch eine weiten Weg vor uns, aber..... Wir kämpfen weiter für dich!!!!!!

Wir widmen diese Geschichte unserem Sohn, der immer wieder so viel Kraft und Stärke zeigt, dass wir auch immer wieder daraus unsere Kraft schöpfen können.

Marvin wir lieben dich dafür.

Juni 2004

                                                                   * Namen geändert
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