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ADS - Hyperaktivität

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6th March 2000

Give ADD a chance !!!
 

Ich widme diese Geschichte meinem Sohn Paul*, als Anerkennung seines Muts immer wieder einen neuen Anfang zu machen.

Meine Frau und ich sind beide 42 Jahre alt, wir haben drei Söhne 19/ 16/ 11 Jahre.
Unser Jüngster, Paul, hat das ADS-Syndrom und ist nun seit drei Monaten diagnostiziert.

Sein Leben enthält viele Narben, verursacht durch die Reaktionen seiner Umwelt, von mangelhafter Pädagogik und menschlichem Verstand.

Als Baby, war Paul immer ein Unterhaltungsthema. Er war hell wach, lustig, energisch und fand immer etwas Neues zu entdecken, sodass unsere grauen Haare uns sicher waren.

Einige Beispiele :

¨ Mit 8 Monaten stieg Paul komplett mit seinem Schlafsack an, ins Klo.

¨ Im Sommer war er immer früher auf als wir Eltern. Wir haben ihn oft auf der Straße mit seinem Trekker, vollen Pampers und noch in seinem Schlafanzug gefunden.

¨ Mit knapp zwei Jahren ist Paul aus unserem Wohnungsfenster geklettert und ist zwei Meter weiter unten gelandet. Es war kalt und nass, er hatte nur eine Strumpfhose an mit Pampers und einen Pullover.
Wir haben nichts gehört, er hat nicht geweint. Aber wir haben in einem Sechsfamilien-Hochhaus gewohnt, wie soll er wieder ins Haus kommen ?
Kurz danach (wir gehen davon aus, es war kurz danach) klingelte es bei uns...... Der Knopf für das Türschloss war gedrückt, aber die Eingangstür ging nicht auf.
Meine Frau geht in den Flur um nachzusehen und sieht eine kleine Gestalt durch das Sicherheitsglas.... Ist es wahr ???
Ich habe sein Zimmer kontrolliert .... Er ist weg !!!

Meine Frau macht die Tür auf und ein kleiner Elf tritt fröhlich ein mit nassen Füßen, roten Backen und roter Nase. Er hat die richtige Klingel von sechs gewählt !!

Seine lebendige Art und Weise hat uns einigen Stress gekostet, aber er hat auch unser Leben sehr bunt gemacht....
Lachen, Tränen und Ärger mit dem Rest der Welt, aber über die Jahre hat Paul seine Interessen und Fähigkeiten außerhalb der Schule vielfältig entwickelt: Agrartechnik, Bautechnik, Modelleisenbahn, Keyboard spielen, bis zu selbstständig Kochen. Wir haben zu Hause immer versucht seinen Weg steinfrei zu machen.

Das Schlüsselwort ist "SCHULE",...da versteht Gott, die Welt, Paul und die Pädagogik nicht wie sie miteinander umgehen sollten.

Wie ich gesagt habe, Paul ist jetzt 11 Jahre alt, diagnostiziert auf ADS seit drei Monaten und nimmt jetzt Ritalin jeden Tag.
Wir haben uns fast die letzten sieben Jahre gequält, um einen Grund und eine Lösung zu finden für seinen Probleme.

Guckt mal diese Schullaufbahn an (frage dich selbst ab wann euer Kind nicht mehr mitgemacht hätte in seinem Fall):

    ¨ Kindergarten 1
    ¨ Kindergarten 2
    ¨ Grundschule 1 (1. und 2. Schuljahr)
    ¨ E-Schule (Sonderschule für schwer erziehbare Kinder)
    ¨ Grundschule 2
    ¨ Grundschule 3
    ¨ Hauptschule 1
    ¨ An dieser Stelle sollte -laut Vorschlag des Schulamts- Paul einen Monat stationäre Psychotherapie machen und dann wieder auf die Sonderschule gehen !!!
    ¨ Privatschule mit Realschule und Gymnasium.

Hier haben wir Gott gespielt. Wir trafen unsere eigene Entscheidung an Paul zu glauben und ihn nicht in eine Klinik oder E-Schule zu geben. Das hat das SYSTEM natürlich nicht gern gesehen, weil es einige Fragen zu beantworten geben wird in unserem Kreis.

Paul ist aufgestiegen zu einem Real- / Gymnasialniveau, statt die Sonderschule besuchen .

Um die ganze Laufbahn in Einzelheiten zu berichten, würde ich mindestens eine Überdosis von Valium brauchen, um ein bisschen ruhig zu bleiben.

Ich erkläre es lieber so : ...............Wenn du unkonzentriert, übermütig und körperlich energisch bist, ein sensibles Gerechtigkeitsempfinden hast und du dich lieber für Sachen von älteren interessierst,....................dann................bist du nicht erwünscht in der Schulklasse bzw Schule.

Damit ein Pädagoge dich versteht, braucht es viel Aufwand, Mitarbeiter, die eine andere Meinung vertreten, als das Schulsystem..... Und von dieser Art gibt es leider nur wenige.
Es ist mir natürlich auch klar, dass viele Lehrpersonen selbst in diesem Schulsystem gefangen sind.

Die Standartaussage ist: "Ich habe über dreißig Kinder, auf die ich aufpassen muss, es kann nicht so weiter gehen. Er ist eine Gefahr für die anderen Kinder"..............also abschieben zur nächsten Stelle, E-schule...eine Sonderschule für schwer erziehbare Kinder................

Wenn du weißt, dass dein Kind ADS hat und dass es eine Stoffwechselstörung hat, dann kannst du für dein Kind plädieren, aber das System will nichts hören,......E-schule ist die richtige Schulform und nichts anderes wird finanziert !!!!!!

Wir haben 7 Monate lang gekämpft, dass Paul von der E-Schule zurückkommt auf die Grundschule, nachdem wir sehr geschickt reingelegt worden waren von dem Sonderschulsystem.

Man sollte einmal im Quartal in die Schulakte des Kindes Einblick nehmen, um zu sehen was hinter seinem Rücken eingetragen wird und wovon dir nichts gesagt wird !!!!!!.
Sie gehen davon aus, dass du nie von deinem Recht Gebrauch machst und verlangst Einblick in die Akte zu haben.

Erst dann, als wir die zweite Androhung auf sonderpädagogischen Bedarf erhalten haben, sind wir auf das Thema ADS gekommen. Wir haben direkt ein Modem gekauft und sind ins Internet getaucht. Durch ADS-Vereine und individuelle endlose Hilfe, sind wir endlich in die richtige Richtung gekommen.
Zeitgleich haben wir einen Termin bei einem Kinderpsychiater (5 Monate Wartezeit) bekommen und haben Paul dort wegen ADS testen lassen.

Dann hat uns das Schulamt einen Termin gegeben zu einem Treffen mit dem Konrektor der Schule, der Schulrätin und dem Jugendamt. Das ist das gleiche Schulamt, das uns damals empfohlen hat, dass Paul  in eine stationäre Psychiatrie für einen Monat gehen und dann weiter auf die Sonderschule gehen soll.

Ich habe argumentiert, dass Paul auf ADS getestet wird, und erst dann kann der Arzt entscheiden, ob Paul Ritalin nehmen soll. Dadurch gibt es dann natürlich eine Möglichkeit, dass Paul in der Schule unauffälliger wird.

Erst dann haben sie uns einen letzten Versuch zugesagt,..... aber..... nur drei Wochen Probezeit bis Weihnachten 1999.
Sie können sich das auch so vorstellen wie der Konrektor gesagt hat, ........in drei Wochen sollte Ritalin, Paul retten, sprich ihn heilen und ihn in die Reihe bringen oder er fliegt von der Schule.

Wir haben die Entscheidung akzeptiert, aber wir wussten, dass Paul keine Chance hat, nicht mehr an dieser Schule. Es gab nur noch die einer Hoffnung ........eine Privatschule, die sich mit ADS-Kindern auskennt.
Nach zwei Terminen und paar Telefonaten war Pauls Platz in der Privatschule bewilligt .
Paul hat die Hauptschule verlassen mit folgenden Noten: in zwei Fächern 5 und die anderen Fächer im Durchschnitt 3.

Jetzt musste Paul seine 8.Schule anfangen..... aber mit dem zusätzlichen Problem, dass er vor 06:00 Uhr aufstehen muss, um 06:45 geht der Bus und um 07:20 die Bahn, dann 12 Minuten Fußmarsch zur Schule, dann einen langen Schultag bis 15:30 Uhr
Für uns gab es keinen Schlaf ....es war unsere letzte Chance. Wir könnten ihm dann nicht mehr helfen.

Es hat laut Pauls Erzählungen, geklappt....wir mussten nur abwarten und Tee trinken (leicht gesagt).
Nach drei Wochen kam der erste Leistungsbericht...es klang wirklich sehr positiv, aber wir waren immer noch nicht sicher, ob Pauls gute Beurteilungen reichten, um ihn zu ermutigen und ihn positiv aufzubauen.

Paul hat weiterhin nur positives von der Schule erzählt, dass er überhaupt freiwillig über der Schule erzählt hat war für uns etwas Neues und das Frühaufstehen, die Bus/Bahnreise hat sein Gefühl für seine Selbstständigkeit nur verstärkt.

Drei Monate später:
Paul hat seinen zweiten Zwischenbericht nach Hause gebracht....Sein Durchschnitt war die Note 1,7.
Wir konnten es kaum glauben, aber wir wussten immer, dass er etwas auf dem Kasten hat.

Aber:
Von ihm zu verlangen nach der siebten Schule, sollte er noch Spaß an der Schule haben, war für uns völlig unrealistisch.

Wir können es immer noch nicht richtig glauben, aber der Elternsprechtag brachte ein bisschen Realität...............jede Lehrperson hat Paul zum Vorzeigekind erklärt.
In Mathe macht er den Lernstoff vom nächsten Schuljahr "just for fun", er ist sehr offen mit den Lehrern und geht angstfrei auf diese Privatschule.
Es war ein unglaublicher Tag für uns.

Eigentlich haben wir hier ein "happy end " verdient aber wir müssen alles selbst finanzieren. Wir haben die Übernahme der Kosten bei dem Jugendamt beantragt.
Sie haben unseren Antrag abgelehnt und jetzt muss unser Anwalt handeln.
Wenn wir die Kosten nicht bewilligt kriegen, werden wir unser Haus verkaufen müssen, um seine Schulkosten zu finanzieren.
Es hört sich wie eine sehr drastische Entscheidung an, aber für uns ist es das erste Mal, dass unser Sohn eine vernünftige Chance im Leben hat und
DAS IST GOLD WERT.

Ich danke Ihnen, dass Sie soweit gelesen haben und hoffe, dass Sie mich trotz meinem ausländischen Deutsch verstanden haben.
Es gab viele Momente, in denen wir gezweifelt haben oder fast aufgegeben haben. Unsere Ehe hat auch einiges durchhalten müssen, um dieses Ergebnis zu erreichen.

Ich hoffe, dass es anderen den selben Mut und Glauben schenkt, um ein besseres Leben für ihr Kind zu ermöglichen.

Mein letztes Wort schenke ich Pauls Mutter, meiner Frau.
Ohne die Stärke ihrer Liebe und ihren menschlichen Verstand für Paul und seine Probleme hätten wir diese Tragödie nicht überlebt.........

Nur eine Mutter mit ADD kann so etwas leisten !!!!

Hoffen, hoffen, hoffen !!

Best regards M*.
                                                     
  * Namen geändert

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