Ich bin durch Zufall in diese Seite
gekommen. Eigentlich suche ich momentan Kontakt zu anderen Selbsthilfegruppen, da wir in unserem Ort in Gründung sind.
Der Bericht von Stefan war sehr interessant. Mein Junge heißt Steffen* und mir erging
alles ähnlich. Aber ich bin selbst Lehrerin an einer Grundschule.
Steffen ist das zweite Kind. Er ist jetzt 11 Jahre. Seine Schwester ist 13 Jahre. Bei ihr wurde vor einiger Zeit auch ADS diagnostiziert.
Sie war aber immer noch relativ " friedlich". Im Alter bis zu 6 Jahren war Steffen stets und ständig in Bewegung. Überall konnte ich mir anhören, dass wir unser zweites Kind zu sehr verwöhnen
und alles erlauben. Das war aber nicht so, wir waren strenger zu ihm als bei Bianca. Dann kam die Einschulungsüberprüfung in meiner Grundschule, die gehörte zu unserem Einzugsgebiet. Ich war bei der
Lehrerin, die auch Steffens Klassenlehrerin sein sollte und war fester Überzeugung mein Kind ist nicht schulreif und geht noch ein Jahr in den Kindergarten. Diese Lehrerin, schon sehr lange im Schuldienst,
sagte mir nach der Überprüfung, dass Steffen die 1. Klasse besuchen wird und sie nicht die Zustimmung für eine Zurückstellung geben wird. Mir blieb nichts anderes übrig, als Steffen einzuschulen. Er kam in
die Schule. Ich unterrrichtete im Nebenraum ebenfalls in einer 1. Klasse mit 26 Kindern, welche auch sehr lebhaft waren und wo auch ein Kind mit ADS/ Hyperaktivität dabei war.
Ich kam mit meiner Klasse
prima zurecht. Nur dieses eine Kind zu Hause ( Steffen ) brachte mich fast zum Nervenzusammenbruch. In der Schule lag Steffen nur auf der Bank und lebte in seiner eigenen Welt. Ich wollte ihn dann zum
Halbjahr der 1. Klasse in die Vorklasse schicken. Die Lehrerin stimmte nicht zu, da sie der Meinung war, dass Steffen sehr intelligent ist. Es musste etwas anderes sein. Aber was? Ich ging dann zur
Logopädin, welche Steffen wegen seiner undeutlichen Aussprache betreute und wollte, dass sie mir eine ärztliche Bescheinigung schreibt, damit ich Steffen zurückstellen könne. Sie gab mir eine Adresse einer
Kinderärztin in Leipzig. Ich fuhr hin. Diese Ärztin hörte mir geduldig zu und gab mir zwei Bücher zu lesen, wenn ich damit fertig wäre, sollte ich wiederkommen. Mittlerweile war ich so weit zu kündigen und
meinen Lehrerberuf an den Nagel zu hängen. Wie gesagt, es war für mich unverständlich mit 26 Kindern gut auszukommen und zu Hause total zu versagen.
Ich las in einer Nacht diese beiden Bücher und hörte
nach meinem Lehrerstudium und 5 Jahren Schuldienst das erst Mal von Hyperaktivität (1994).
Ich fuhr dann so schnell wie möglich nach Leipzig zur Ärztin. Steffen wurde dann mit Ritalin eingstellt. Ich
hatte erst ein schlechtes Gewissen wegen des Medikamentes.
Steffen machte die Schule Spass. Die Lehrerin sagte, das allles sei wie ein kleines Wunder und meinte, dass sie Recht hatte das Steffen schulreif
sei.
Steffen selber sagte, dass er plötzlich die anderen Kinder hört und das er jetzt aufpassen kann.
Wir sind der Lehrerin und der Ärztin sehr dankbar. Bei uns kehrte fast wieder ein " normales
Familienleben " ein. Richtig ruhig wird es bei uns sicher nie zugehen, aber die Kinder finden sich im Leben zurecht. Wir haben uns sogar für ein weiteres Kind entschieden, trotz ADS bei beiden Kindern.
Für Steffen war es gut nicht mehr der Kleine zu sein und für unsere Tochter ging der Wunsch in Erfüllung ein kleines Brüderchen zu bekommen.
Er ist jetzt15 Monate und sehr ruhig. Aber wir werden sehen.
Ich habe in unserer Schule alle Lehrer über ADS/ Hyperaktivität informiert und stieß bei den meisten auf offene Ohren.
Ich stehe diesem Thema sehr offen gegenüber. Man kann natürlich auch vom Ritalin
keine Wunder erwarten. Uns hat dieses Medikament geholfen Steffen zu erreichen. Er konnte uns endlich zuhören. Wir sprechen auch viel darüber, auch über das Medikament und er kommt gut damit zurecht.
Geholfen hat uns auch eine Therapiekur, wo wir mit anderen betroffenen Kindern und Eltern zusammenwaren.
Abschließend muss ich sagen, dass man wirklich sehr viel Kraft für hyperaktive Kinder braucht, aber
ich habe sie sehr gern und möchte sie auf keinen Fall missen. Steffen und Bianca sind sehr kreativ und sprühen vor Impulsivität. Bei uns wird es nicht langweilig und wir haben auch viel Spaß zusammen.
Tschüss Christina