Startseite
Übersicht
Über ADHS
Schule
Kinder
Buchtipp
Frankfurt
Erwachsene
Bücher
Links
Elterngruppen
Häufige Fragen
Veranstaltungen
Forum

seit 28.12.1999

Bestellen bei Amazon
ADS - Hyperaktivität

Gesprächsforum

Gästebuch

Vom Umgang mit überaktiven Kindern

Ritalingabe in der Schule

Können Zeugnisse Hinweise auf ADS/Hyperaktivität geben?

Buchtipp: Handreichung für den Unterricht

Tipps zum Umgang mit ADS-Kids in Schule Kindergarten und Elternhaus

20 häufige Fragen zu ADHS im Unterricht

Linktipps für LehrerInnen

Buchtipps für LehrerInnen

Vom Umgang mit
überaktiven Kindern
Schulpsychologischer Dienst Detmold

I. Diese Kinder sind gemeint:

- Sie müssen Gedanken, die ihnen durch den Kopf schießen,
sofort mitteilen.
- Sie beschäftigen sich nicht länger als 5 Minuten mit einer Sache.
- Sie kippeln mit dem Stuhl, wälzen sich auf dem Schultisch hin und
her, fallen vom Stuhl oder hocken unter dem Tisch.
- Sie sind bewegungsunruhig, aber trotzdem
bewegungsungeschickt.
- Sie werfen mit dem Ellenbogen das Saftglas um, wenn sie die
Gabel aufnehmen.
- Sie rennen Mitschüler und Telegrafenmasten um.
- Sie fahren so Fahrrad, dass man froh ist auf der anderen
Straßenseite zu sein.
- Sie schwimmen nicht, sondern paddeln wie ein Hund.
- Sie können mit acht Jahren noch keine Schleife binden.
- Sie machen beim Abschreiben mehr Fehler als im Diktat.
- Sie schlagen das falsche Buch auf der falschen Seite auf und
finden das richtige dann, wenn die anderen schon ins Heft
schreiben.
- Sie können wichtige Geräusche, z.B. die Stimme des Lehrers,
nicht von Nebengeräuschen trennen.
- Beim Schreiben wenden sie starken Druck an und halten sich
nicht an die Linien.
- Sie bewegen beim Schreiben den Mund, die Zunge, die freie
Hand oder die Füße.
- Sie dossieren unpassend: die motorischen Kräfte, die Stimme, die
Argumente, die Empfindungen, das Engagement.
- Sie sind impulsiv und explosiv, liebeheischend und distanzlos,
sensibel und verschlossen.
- Sie benehmen sich wie Kleinkinder, sind nur nicht mehr so
liebenswert...!

Diese Aufzählung wäre beliebig zu verlängern. Bei jedem einzelnen Kind finden sich typische Symptome in unterschiedlicher Ausprägung. Es gibt Kinder, die mehrere Störungen in so minimaler Ausprägung haben, dass diese als einzelne Störung kaum wahrnehmen sind, in ihrer Wechselwirkung das Kind insgesamt jedoch auffällig werden lassen. Andere Kinder haben vielleicht ein oder zwei der genannten Merkmalen, diese aber in so starker Ausprägung, dass die Störung leichter zu erkennen und zu beschreiben ist.

II. So kann man es definieren:

Als hyperaktiv bezeichnet man Kinder, die nicht stillsitzen können, immer zappeln oder etwas in den Händen haben müssen; die insgesamt extrem umtriebig und bewegungsunruhig sind. Der Begriff “Hyperaktivität” bezieht sich also auf die Motorik.

Als hyperkinetisch werden Kinder bezeichnet, die
1. Aufmerksamkeitsstörungen haben: wenig Ausdauer in der Arbeit,
schneller Wechsel in den Beschäftigungen, leichte
Ablenkbarkeit,
2. gefühlsmäßige Labilität zeigen (also zwischen Anlehnungs
bedürftigkeit und heftiger Wut hin- und hergerissen sind; durch
robuste Unempfindlichkeit und extreme Verletzlichkeit
gleichermaßen beeindrucken),
3. impulsives, vorschnelles und planloses Handeln zeigen,
4. bewegungsunruhig sind.

Sehr häufig weisen die Kinder als zusätzliches Merkmal Integrations- oder Wahrnehmungsstörungen auf. Es kann sich z.B. um Störungen in der optischen oder akustischen Differenzierung handeln oder aber um eine gestörte Tastwahrnehmung oder ein ungenügend ausgeprägtes Gleichgewichtsgefühl. Wie oben bereits erwähnt, gibt es noch eine Reihe von anderen denkbaren Integrationsstörungen, und diese können in unterschiedlichster Kombination und Ausprägung vorhanden sein.

Nun kommt noch etwas hinzu: Diese Kinder wissen häufig nicht, wie sie eine Freundschaft aufbauen und aufrechterhalten können, obwohl sie ihrem Gefühl nach große Anstrengungen dafür unternehmen.

III. So muss man sich das vorstellen:

Stellen Sie sich vor, sie wären ein Kind mit wenigstens fünf der unter 1. genannten Eigenschaften, von denen jede einzelne ausreicht für viel, viel Ärger. Was wären Sie für ein schreckliches Kind ! Wenn Sie irgendwo hinkämen, wüssten Sie genau, dass alle froh wären, wenn Sie wieder gingen. Und das wäre ja auch verständlich, denn überall, wo Sie auftauchten, entstünde Unruhe, ginge etwas kaputt...

Wenn Sie so ein Kind wären, würden Sie bemerken, dass Kameraden und Geschwister viele Dinge “einfach so” können. Sie würden Angst davor bekommen, dass alle merkten, wie Ihnen oft die simpelsten Dinge nicht gelingen. Sie würden sehr genau spüren, dass die anderen Kinder “passender” und “liebenswerter” sind. Denn das bestätigen Ihnen eigentlich die Kameraden, die Eltern, die Lehrer dadurch, dass sie Ihnen immer und immer wieder sagen, was Sie falsch machen oder was Sie nicht können.

Und wie, glauben Sie, würden Sie sich fühlen, wenn Sie so ein schreckliches Kind wären und eigentlich das Gefühl haben müssten, dass das Leben für alle, für die Sie gerne “gut” wären, ohne Sie schöner sein müsste ?!

IV. Die Ursachen:

Als Ursachen von Hyperaktivität bzw. Hyperkinese werden diskutiert:

Biochemische Faktoren:
Verbindungen zwischen Nervenzellen kommen nicht wunschgemäß zustande oder biochemische Reifungsprozesse verzögern sich, z.B. durch
- schädigende Einwirkungen während Schwangerschaft und
Geburt,
- Stoffwechselstörungen,
- Schwächung der körpereigenen Abwehr infolge von
Umweltbelastungen.

Erbliche oder anlagebedingte Faktoren:
Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei Kindern eine erbliche Disposition vorhanden sein muss.

Hirnorganische Faktoren:
In den letzten Jahren treten diese Faktoren zunehmend in den Hintergrund, kommen in Einzelfällen immer noch als Ursache in Betracht.
- Infektionskrankheiten,
- außergewöhnliche Belastungen während Schwangerschaft
oder Geburt.

Fast immer sind die Auffälligkeiten multifaktoriell bedingt, d.h. bei einem Kind kommen mehrere Ursachen in Frage.

Es gibt auch sogenannte hypoaktive Kinder, bei denen man ganz ähnliche Ursachen, die aber eher aktivitätsgebremst sind. Sie fordern von ihrer Umgebung nicht so viel Zuwendung, daher werden ihre Probleme häufig übersehen.

V. Die Sache mit dem Verkehrspolizisten
- ein bildhafter Vergleich -

Das menschliche Gehirn muss Sinneseindrücke und Empfindungen ordnen, damit ein Mensch sich normal bewegen und verhalten kann. Das gehirn lokalisiert und ordnet Empfindungen etwa so wie ein Verkehrspolizist, der Autos und Fußgänger leitet. Fließen Sinneseindrücke in einer gut organisierten Weise dem Gehirn zu, kann dieses daraus Wahrnehmung, Verhaltensweisen und Lernprozesse formen. Wenn der Fluss unorganisiert erfolgt, wird Verhalten ungeordnet ablaufen - ähnlich einem Verkehrschaos.

Bei diesen “ärgerlichen” Kindern...
fallen offensichtlich ein paar Verkehrspolizisten aus oder leiten den Verkehr falsch. Dadurch werden Wahrnehmungen blockiert oder falsch zugeordnet. Die darauf aufbauenden Gehirnleistungen werden erschwert und eine Vorstellung von den einfachsten Alltagszusammenhängen bereitet Probleme.

Viele dieser Kinder...
können Bewegungen nicht zielgerichtet und gut dossiert einsetzen. Das Bewegungsbild scheint plump/ungeschickt, überschießend/grob oder aber fahrig/zittrig, so, als ob jeder Körperteil ein anderes Ziel verfolge.

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein so bewegungsungeschicktes Kind. Was würden Sie in der Sportstunde machen, wenn Sie wüssten, dass Ihre Bewegungen allenfalls dazu taugen, andere zum Lachen zu bringen ? Die Leistung verweigern ? “Über den Dingen” stehen ? Oder vor den anderen den “Kaper” markieren ?

Stellen Sie sich vor, Sie hätten Probleme, Ihre Augenmuskeln zu kontrolliert zu bewegen. Ihre Augen würden beim lesen und Schreiben nicht immer im gleichen Abstand vorrücken, sondern mal weiter oder sogar zurückgehen. Oder Sie würden sich in der Zeile vertun. Bei größter Anstrengung könnten Sie dieses vielleicht verhindern. Aber ab und zu würden Ihnen doch Fehler unterlaufen - ärgerliche Fehler, die keiner versteht...

Die Ausmaße und Begrenzungen des eigenen Körpers der Grad der Anspannung der Muskeln ist für viele Kinder ein Unsicherheitsfaktor. Was die meisten Menschen unbewusst wahrnehmen, bedarf bei diesen Kindern immer der unbewussten Prüfung. Ihr Gehirn stellt diese grundlegenden Informationen nicht zur Verfügung. Nichts geht automatisch.

Das kann für Sie bedeuten, dass Sie immer Ihren Körper und Ihre Umgebung erspüren müssten, um zu wissen, wie Ihre Hände zueinander stehen, ob Sie den Kopf schief oder gerade halten, ob Sie ganz oder nur halb auf dem Stuhl sitzen, ob der Nachbar oder Sie selbst schräg sitzen, ob der Lehrer oder Sie selbst sich bewegen. - Und Sie müssten immer reden, so in der Art eine Echlots, um festzustellen, wer mit Ihnen im Moment etwas zu tun hat und wer nicht.

Diese Unterscheidungsfähigkeit von “wichtig” und “unwichtig”... versagt häufig bei diesen Kindern. Sie müssen sich aus ihrer erfahrung und dem, was man ihnen sagt, eine Vorstellung von den realen Wichtigkeiten zurechtlegen, obwohl ihr eigenes Wahrnehmungssystem ihnen etwas ganz anderes als “wichtig” aufzwingen wil.. Denn das eigene Gehirn erkennt “Wichtiges” nicht.

Stellen Sie sich vor, Sie sehen einen spannenden Film und sollen dabei eine schwere Rechenaufgabe lösen. Der Film würde sich Ihnen immer als “wichtig” aufdrängen. Sie aber müssten immer daran denken, dass die Rechenaufgaben wichtiger sind und Sie diese fertig machen müssen. Was wäre das für eine tolle Leistung, wenn Sie die Rechenaufgaben schaffen würden ! Ihre Anstrengung hat natürlich niemand bemerkt...

Es kann sehr lange dauern...
bis diese Kinder eine Situation genau geordnet und im Griff haben. Erst dann können Sie anfangen zu spielen, zu basteln, zu lernen. Oft wird eine Situation erst ganz erfasst, wenn die nächste schon da ist...

Wissen Sie, dass, um einen Anspitzer auf einem vollen Tisch zu finden, die Augen systematisch den Tisch absuchen müssen ? Wenn nun andere Dinge auf dem Tisch liegen, ziehen diese vielleicht die Aufmerksamkeit auf sich, und es wird schwer, den Anspitzer zu finden.

VI. Jedes Kind ist anders

Manchem Kind hilft es,
- wenn es zu Beginn der Unterrichtsstunde zu Wort kommen
darf, nämlich dann, wenn seine Konzentration noch einigermaßen
hoch ist,
- wenn man mit dem Kind Zeichen vereinbart um es
“zurückzuholen”,
- wenn seine rasche Ermüdbarkeit nicht als Faulheit ausgelegt
wird,
- wenn es, um seine eigene Aufmerksamkeit zu steuern, die
Technik des “inneren Sprechens” erlernt.

Manchen Kindern hilft es,
- wenn während einer Unterrichtsstunde Bewegungspausen
ermöglicht werden (Unterrichtsgänge, inoffizielles Austreten),
- wenn sie sich nach einer aktiven Spielpause regenerieren
können,
- wenn der Sportlehrer das Gespött der Kameraden verhindern
kann und kooperative oder sychomotorische Spiele anbietet.

Einigen Kindern hilft es,
- wenn man ihnen als Diktat einen Lückentext gibt,.
- wenn sie in der Berichtigung nur die falsch geschriebenen Wörter
korrigieren müssen,
- wenn bei Kopfrechenaufgaben erlaubt wird Teilergebnisse zu
notieren,
- wenn neue Informationen so anschaulich wie möglich erfahrbar
gemacht werden,
- wenn man auf Beeinträchtigungen im visuellen und akustischen
Bereich Rücksicht nimmt und den Sitzplatz in der Schule
entsprechend wählt.

Manchem Kind hilft es,
- wenn man es anschaut oder anfasst, wenn man mit ihm spricht,
- wenn ihm Hilfen gegeben werden bei der Organisation seines
Arbeitsplatzes, seiner Hausaufgaben, z.B. durch eine Checkliste,
- wenn man ihm bei Antworten Zeit und Hilfestellung gewährt,
- wenn man herumhantieren Kritzeln auf dem Papier als Ausdruck
der Spannungsabfhr akzeptieren kann (die Plüschmaus unter
dem Tisch bindet die Unruhe).

Manchem Kind hilft es,
- wenn man ihm “Aufträge” gibt, von denen man sicher ist, dass es
diese gut ausführen kann,
- wenn er als Schüler/in in einer Sache Experte vor der Klasse sein
darf.

Allen Kindern hilft es,
- wenn sie trotz ihrer Probleme das Wohlwollen der Lehrer und
Eltern spüren,
- wenn Lehrer und Eltern richtig loben: Statt “na, siehst du, du
kannst doch, wenn du willst” besser “ du hast dich angestrengt,
und es hat geklappt, prima !”
- wenn der Lehrer im persönlichen Gespräch signalisiert, ich weiß
von deinen Schwierigkeiten und ich unterstütze dich,
- wenn Erwachsene nicht nachtragend sind.

Manchen Kindern hilft es,
- wenn sie sich auf einen klar strukturierten Tagesablauf verlassen
können,
- wenn sie sich auf angekündigte Konsequenzen verlassen
können,
- wenn sie Sicherheit durch feste Rituale in Schule und Familie
erhalten,
- wenn sie nicht durch zu viele Regeln eingeengt sind,
- wenn Sie kleinere Vergehen übersehen und gutes Verhalten
positiv verstärken.

Meistens hilft es dem Kind,
- wenn zwischen Lehrer/innen und Eltern enge Zusammenarbeit
besteht,
- wenn Fachleute aus dem Umfeld des Kindes zusammen.

Ideal wäre es,
wenn jedes Kind das “Seine” und nicht alle das Gleiche bekämen . . . (Pestalozzi)
Dieser hohe Anspruch lässt sich bei den individuellen Unterschieden sicher kaum verwirklichen. Aber mit kleinen wohlüberlegten Schritten erreicht man auch schon etwas . . .

VII. Hilfe bei der Frage,

ob es sich um ein hyperkinetisches Kind handelt, bzw. wie man als Eltern oder Lehrer dem Kind am besten helfen kann, können Sie erwarten von
- Kinderärzten/Kinderärztinnen
- Sozialpädiatrischen Kinderzentren
- Schulpsychologische Beratungsstellen
- Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche
- Elternselbsthilfegruppen.

Schulpsychologischer Dienst
Detmold
05231/977-312

zurück zum Seitenanfang

 

Liebe Besucher/innen dieser Internetseite,

wenn Ihnen unsere Seite gefällt, und Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, dann können Sie Ihre Bücher, die Sie ohnehin kaufen wollen, über den Amazon.de-Link oder die Einzellinks im Literaturverzeichnis bestellen. Danke.